Canon Poweshot A710IS

Testbericht 3/2007

Canon A710IS von vorneDie Canon Powershot A710 trägt ihren Namenszusatz wegen des eingebauten Bildstabilisators, engl. Image Stabilizer, wie Canon1 den hauseigenen optischen Verwacklungsschutz nennt und entsprechend abkürzt.
Zusätzlich hat Canon einen 6-fach Zoom und einen riesigen Funktionsumfang in das kompakte Gehäuse gesteckt, welches im Vergleich zu den meisten älteren Modellen der A Klasse nur noch 2 AA Batterien oder Akkus aufnimmt.

Nach meinen guten Erfahrungen mit diversen Canon Kameras (S30/40/50/80, Ixus 700/750), die alle über einen (für heutige Kompaktkameras verhältnismäßig großen) 1/1,8“ CCD verfügen und der etwas schlechteren Ixus 60/65, die aus dem kleineren 1/2,5“ Sensor eine erkennbar schlechtere Qualität erreicht, war ich gespannt, wie sich die 710IS schlägt. Denn auch sie muss Ihre 7 Megapixel aus einem kleinen 1/2,5“ Chip erzeugen. Zumindest in der Theorie schlägt sich dies zwangsläufig in geringerer Empfindlichkeit und höherem Rauschen nieder, dem durch erhöhten technischen Aufwand entgegengewirkt werden kann, bzw. muss.
Also habe ich mir die Kamera mal genauer angesehen, spare mir aber eine Auflistung der technischen Daten, die man ja problemlos auf der Canon Homepage im Datenblatt nachlesen kann.

Gehäuse und Bedienung

Canon Powershot A710IS von HintenDie Powershot 710is ist nicht viel größer als ein Ixus Modell, aber ungefähr 1cm Dicker. Mit dieser Größe und den 268 Gramm (inklusive 2 AA/Mignon Batterien/Akkus) ist sie gerade noch „westentaschengeeignet“. Die Kamera ist zwar überwiegend aus Kunststoff gefertigt, wirkt aber solide und gut verarbeitet. Nur die Gummiabdeckung und die Klappe von Batterie und Speicherkarte wirken nicht ganz so hochwertig, haben aber dennoch auch bei den Vorgängern problemlos ihren Dienst getan.
Das Stativgewinde ist leider etwas ungünstig, unten ganz an der linken Seite angebracht, so dass die Nutzung kleiner Ministative unnötig erschwert wird.
Um das Objektiv befindet sich ein Gewinde für Vorsatzobjektive. Es ist durch einen abnehmbaren Ring verdeckt.
Ansonsten ist alles, wie bei Canon gewohnt, übersichtlich und griffgünstig angeordnet – allerdings nur für Rechtshänder. Oben befindet sich der An-/Aus-Schalter, wie üblich vor versehentlichem Drücken geschützt. Neben dem großen Wahlrad für die verschiedenen Haupteinstellungen und Programme befinden sich der Auslöser mit gut fühlbarem 1. Druckpunkt für die Scharfstellung/Belichtung und griffgünstig dahinter die Zoomwippe. Letztere hat zwar etwas Spiel, was die gute Bedienbarkeit aber nicht einschränkt.

GegenlichtaufnahmeDas 2,5“ große Display nimmt den größten Teil der Rückseite ein. Die Bedienelemente sind dementsprechend an die (rechte) Seite gedrängt, bleiben aber dennoch auch mit größeren Fingern gut bedienbar.
Über dem Display hat trotz der kompakten Maße ein optischer Sucher Platz gefunden. Zwar ist der hierdurch sichtbare Ausschnitt deutlich kleiner als das tatsächliche Bild, dies ist aber immerhin über den gesamten Zoombereich einigermaßen gleichmäßig, so dass diesen durchaus nutzen und dadurch (bei abgeschaltetem Display) erheblich Strom sparen und die Anzahl der Bilder mit einem Batterie/Akkusatz mehr als verdoppeln kann.

Wer schon einmal eine Canon DigiCam besessen hat, wird sich schnell in der Bedienung zurechtfinden. Aber auch Neukunden stellt die Bedienung nicht vor allzu große Probleme. Das Lesen der Anleitung wird wohl für die meisten nicht notwendig sein. Das ist auch gut so, denn sowohl die gedruckte Kurzanleitung, wie auch die PDF Anleitung auf CD sind in manchen Punkten sehr knapp gehalten und nicht allzu hilfreich.

Mit dem Bedienrad kann man schnell und unkompliziert zwischen den wichtigsten Grundfunktionen umschalten. Dabei gefällt (auch im Gegensatz zu den Ixus Modellen), dass hier neben den Grundfunktionen auch die wichtigsten Szenemodi direkt eingestellt werden können. Die Programme Portrait, Landschaft und Nachtaufnahme sind so ohne lästige Menüauswahl schnell ausgewählt. Die weiteren, seltener benutzen Voreinstellungen, wie Unterwasser, Farbwechsel oder Feuerwerk, verstecken sich dann hinter der Szeneeinstellung und sind nur mit zusätzlichen Tastendrücken über das Menü zu erreichen. Ein guter Kompromiss!

AußenaufnahmeMit einem Schieberegler an der Rückseite schaltet man zwischen Aufnahme und Wiedergabe um. Die anderen Einstellungen erfolgen entweder über Funktionstasten oder unkompliziert über Menüs und ein Steuerkreuz. Alle Tasten haben einen gut erkennbaren Druckpunkt und sind so präzise zu bedienen.

Leider ist auch hier (wie bei einigen anderen Canon Kameras) wieder eine Taste ausschließlich für den Direktdruck vorgesehen. Während des Fotografierens hat diese Taste keine Funktion, was eine unnötige Verschwendung ist. Hier hätte man z.B. eine direkte ISO Einstellung unterbringen können, anstatt diese wichtige Funktion im Menü zu „verstecken“.
Auch sind im Unterschied z.B. zur Ixus  740 während des Fotografierens vom Steuerkreuz nur „oben“ und „unten“ mit Funktionen belegt. Hier kann man Blitz und Fokus (Makro, Auto, Manuell) einstellen. „Rechts“ und „links“ sind leider nicht belegt. Auch hier hätte man z.B. ISO Einstellung und/oder den Auslösemodus/Selbstauslöser unterbringen können, damit man diese ohne Menü erreichen kann.
Auch würde ich persönlich Makro und die manuelle Entfernungseinstellung auf 2 unterschiedlichen Tasten bevorzugen.

Das Display

minimaler Zoom / WeitwinkelDas TFT Display hat zwar nur gut 110.000 Bildpunkte, ist aber dennoch ausreichend scharf und auch von der Seite noch recht kontrastreich. Schräg von unten allerdings nimmt die Erkennbarkeit leider stark ab. Aufnahmen mit hochgehaltener Kamera über die Köpf anderer Menschen hinweg sind so leider kaum möglich.

Die Helligkeit des Displays ist mittel bis hoch. Eine Helligkeitsregulierung, wie bei den meisten anderen Canon Kameras, wurde hier leider eingespart. Auch dies ist bedauerlich, da man je nach Situation damit auch Strom einsparen könnte.

Im Display werden auf Wunsch alle Informationen, wie Blende, Zeit, ISO, Bildgröße, Komprimierung, Restbilder und vieles mehr angezeigt, größtenteils durch entsprechende Symbole. Natürlich kann man diese auch ausblenden.
Während der Wiedergabe kann man neben diesen Werten zusätzlich ein Histogramm einblenden, wobei sich mir (als fortgeschrittener Amateur) der Sinn  nicht wirklich erschließt. Ob mir ein Foto gefällt, kann ich auch ohne Histogramm entscheiden. Möglicherweise ist für professionellere Fotografen ein Live Histogramm vor dem Auslösen sinnvoll. Diese Funktion bietet die Kamera jedoch nicht.
Der Akkuzustand wird leider (wie bei Canon üblich) nicht angezeigt. Erst bei schwachem Akku/Batterien wird eine Warnung eingeblendet.

Die Funktionen

Makroaufnahme aus 1 cm Abstand mit erkennbarer Tonnenverzerrung!Fast alles, was man sich an Features wünschen kann, hat Canon in die A710IS eingebaut. Selten habe ich eine Kompaktkamera mit ähnlich großer Ausstattung gefunden.
Der Amateurknipser wählt sicherlich den Automatikmodus und wird dadurch in den zusätzlichen Menüs stark eingeschränkt, so dass die Möglichkeit Fehler zu machen minimiert wird. Dennoch lohnt es sich aus vielen Gründen mit den anderen Programmen vertraut zu machen und diese auch einzusetzen.
Der fortgeschrittene Nutzer kann mit Zeit-/ Blendenvorwahl oder vollständig manuell fotografieren. Zusätzlich lassen sich auch noch ISO, Weißabgleich, Farbeinstellungen, Blitzhelligkeit, Art der Belichtungs-/Entfernungsmessung und Belichtungskorrektur einstellen. Es gibt sowohl einen Messwertspeicher für die Entfernung, als auch für die Belichtung, die dann für eine beliebige Anzahl weiterer Bilder gespeichert werden kann.
Zusätzlich bietet die A710IS auch eine manuelle Entfernungseinstellung, die auf Wunsch auch durch eine Bildschirmlupe unterstützt wird. Standardfunktionen wie ein einstellbarer Selbstauslöser, Blitz oder Makro sind selbstverständlich ebenfalls vorhanden.

Mittlerweile scheinen die Kamerahersteller sich in der Anzahl der Programme überbieten zu wollen. Auch die Powershot bietet hier zahlreiche Szene-Modi, wie „Kinder und Tiere“ oder „Nachtschnappschuss“.
Mir erscheinen diese vielen Automatiken eher überbewertet zu sein. Lediglich die Stichfunktion, mit der man einfacher Panoramabilder aufnehmen kann, habe ich schon häufiger genutzt und damit schöne Ergebnisse erzielt. Inwieweit es sinnvoll ist vor der Aufnahme Farbeinstellungen oder Schärfeanpassungen vorzunehmen, soll jeder selber beurteilen. Die Canon bietet hier alle denkbaren Varianten und zusätzlich auch die Möglichkeit noch nach erfolgter Aufnahme über die „MyColors Funktion“ Anpassungen vorzunehmen.

Unsere WindmühleNatürlich kann man die fertigen Bilder auf dem Display betrachten (auch Diashow), zoomen und ggf. löschen. Dabei geht das Zoomen und Blättern schnell und flüssig.

Gab es bei vielen der anderen Canon Modellen noch Profile für Anschaltbild, -ton, Auslöseton, usw., so hat dieses Modell nur noch die Auswahl, ob man die vorgegebenen Töne hören möchte – oder eben nicht. Auf diesen völlig sinnfreien Schnickschnack kann man sicherlich auch gut verzichten. Dass man die Lautstärke dieser Geräusche auf den eigenen Geschmack einstellen kann, versteht sich von selbst.

Der Autofocus funktioniert schnell auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen zuverlässig. Auch in diesem Bereich bietet die Kamera ein Höchstmass an Flexibilität. Neben dem üblicherweise eingestellten AiAF, bei dem angezeigt wird, auf welche/n Bereich/e scharfgestellt wurde, kann man auch grundsätzlich auf die Bildmitte fokussieren. Alternativ kann man aber auch selber mit einem Rahmen auf die gewünschte Stelle „zeigen“ oder die Entfernung komplett manuell über eine Leiste festlegen.

Ebenso frei ist man bei der Wahl der Belichtungssteuerung. Neben den umfangreichen manuellen Möglichkeiten, der Spot- und Integalmessung, wird man wohl oft die Mehrfeldmessung nutzen, die auch bei den meisten Gegebenheiten ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

Natürlich kann man auch verschiedene Auflösungen und Qualitätsstufen wählen (7,5,3,2 MP, VGA und ein 16:9 Bild). Sicherlich ist es praktisch die Auflösung stark zu reduzieren, wenn man z.B. Fotos ausschließlich für das Internet macht. Übliche Aufnahmen sollte man (vor allem bei den aktuellen Speicherkartenpreisen) besser immer in Maximalauflösung und Qualität machen. Schließlich weiss man in der Regel eben nicht vorher, welches Bild man mal größer ausdrucken oder ein Details ausschneiden will.

Geschwindigkeit

Die A710 ist absolut schnappschusstauglich, zumindest ohne Blitz. Vom Anschalten bis zum ersten fertigen Foto vergehen knapp unter 2 Sekunden. Das Anschalten geht dabei genau so schnell wie das Scharfstellen und Auslösen.

Serienbilder kann man mit einer Geschwindigkeit von 1,7 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Bei kleinster Auflösung habe ich 50 Bilder in 30 Sekunden geschafft. Bei höherer Auflösung hängt es aber auch von der Geschwindigkeit der Speicherkarte ab, ob man diesen Maximalwert tatsächlich erzielen kann. Mit Blitz sind im Idealfall knapp 30 Serienbilder pro Minute möglich.

Zoombereich der A710IS

Objektiv / Zoom

Der optische 6fach Zoom reicht (umgerechnet zu einer konventionellen Kamera) von 35 – 210mm. Das Zoomen erfolgt über genau15 Stufen. Die entsprechenden Werte sind in der folgenden Tabelle einzusehen. Dabei fällt auf, dass das Objektiv bis auf die letzten 3 Stufen verhältnismäßig lichtstark bleibt. Zum Vergleich hat eine Ixus hat schon bei 105mm meist eine minimale Blende von 4,5. Insgesamt liegen diese Werte aber ungefähr auf Powershot A-Klasse Niveau.

Blitzaufnahme mit maximalem Zoom

Stufe

echte mm

Kleinbild mm

Blende

1

5,8

35

2,8

2

6,4

39

2,8

3

7,1

43

2,8

4

7,7

46

3,2

5

8,3

50

3,2

6

10,0

60

3,2

7

11,5

70

3,5

8

13,2

79

3,5

9

14,7

89

3,5

10

17,2

104

3,5

11

19,6

118

3,5

12

22,8

137

4

13

26,8

161

4

14

30,8

186

4,5

15

34,8

210

4,8

Das (optische) Zoomen geht zügig und präzise. Die Geräusche dabei sind hörbar, aber eher leise.

Zusätzlich bietet Canon natürlich  einen Digitalzoom an, den man aber auch abschalten kann. Der Zoom stoppt bei erreichen der optischen Zoomgrenze. Zusätzlich wird dies auch durch einen zweifarbigen „Zoombalken“ im Display dargestellt. Ist der Digitalzoom angeschaltet und hat man nicht die maximalen 7 Megapixel Auflösung aktiviert, ist die optische Zoom-Anzeige im Display sogar in 3 Bereiche geteilt:
Zuerst der optische Zoom-Anteil (weiß), dann der so genannte Safety-Zoom (gelb) und zuletzt der Digitalzoom (blau).
Der Safety-Zoom nutzt einfach eine höhere Auflösung als eingestellt und „schneidet“ dann automatisch die gewünschte Auflösung wieder aus. Deshalb entsteht hierbei auch kein Qualitätsverlust. Prinzipiell ist es aber das gleiche, einfach immer mit Maximalauflösung zu fotografieren und anschließend einen Teil des Bildes per Software auszuschneiden.

Der Digitalzoom kann auch pauschal auf 1,5x und 1,9x eingestellt werden, was in der Praxis dann wie ein Telekonverter funktioniert. Da beim Digitalzoom aber letztlich ein kleiner Bereich ausgeschnitten und dann wieder auf die eingestellte Pixelzahl hochgerechnet (interpoliert) wird, bedeutet dies immer eine Verschlechterung der Qualität. Deshalb ist von der Nutzung des Digitalzooms grundsätzlich eher abzuraten.

Der Tisch ist ca. 3, der Stuhl rechts 5 und das Fenster ca. 7m entfernt

Der Blitz

Der Blitz ist ausreichend gut dimensioniert. Durch die zusätzliche manuelle Stärkenregulierung in insgesamt 13 Stufen, ist er in vielen Situationen praktisch und sehr flexibel einsetzbar.
Die Reichweite bei ISO 80 würde ich mit ca. 3 Metern, bei ISO 200 mit gut 4-6 Metern angeben. Die Ausleuchtung ist gleichmäßig und nur im äußersten Weitwinkelbereich sind die Ecken etwas dunkler. Einen Blitzschuh für einen stärkeren Blitz gibt es (wie in der Kompaktklasse üblich) nicht.
Die Funktion gegen rote Augen funktioniert mehr schlecht als Recht – aber auch das ist bei Kameras dieser Größe systembedingt.

Nur bei min. Zoom/WW und größerer Entfernung werden die Ecken nicht gleichmäßig ausgeleuchtet.Größtes Manko dieser Canon ist aber ihre lange Ladezeit des Blitzes.
Mit vollen Akkus / Alkali Batterien liegt diese Zeit bei ca. 4 Sekunden. Mit Spezialbatterien konnte ich die Zeit auf knappe 3 Sekunden drücken. Mit schlappen Batterien oder Akkus können es aber auch schon einmal 5 bis fast 10 Sekunden werden. Diese Angaben beziehen sich jeweils auf Blitze mit maximaler Leistung. Denn natürlich  sind diese Werte stark davon abhängig, wie hell der Blitz zuvor auslösen muss und der entsprechende Kondesator entleert wurde. Ist nur ein schwächerer Blitz notwendig, so kann die Aufladung auch schon nach ca. 2 Sekunden erfolgen, was bei einer (Standard)Einstellung von 2 Sekunden Anzeige des gerade aufgenommen Bildes, dann überhaupt nicht mehr auffällt..
Völlig unverständlich ist mir dabei, dass die Kamera während des Ladens des Blitzes nicht bedienbar ist und einfach nur ein schwarzes Display anzeigt. Dies lässt die Wartezeit subjektiv natürlich noch länger erscheinen. Im Vergleich braucht z.B. die Ixus 750 gut 2 Sekunden und die A630/A640 knapp 2 Sekunden – zeigen aber nach dem aufgenommenen Foto aber sofort wieder das normale Bild/Menü an und sind auch sofort weiter bedienbar.
Wie schon oben erwähnt sind in der Serienbildfunktion bis zu 27 Blitzaufnahmen pro Minute möglich. Die daraus errechneten ca. 2 Sekunden bis zum folgenden Foto mit Blitz, habe ich bei Einzelbildaufnahmen aber niemals erreicht.

linkes Blatt ca. 3m, Blatt auf Stuhl ca. 5m, Gardine 7m entfernt

Der Bildstabilisator (IS System)

Neben den vielen (auch manuellen) Funktionen ist der Bildstabilisator ein Highlight der Kamera. Es handelt sich nicht, wie in manchen Billigkameras, um ein elektronisches System, welches das Verwackeln aus dem Bild „herausrechnet“, sondern um ein optisches System, welches den CCD Chip entsprechend ausrichtet. Dies geschieht lt. Canon mit 4000 Impulsen in der Sekunde und um es gleich vorwegzunehmen: Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Nahaufnahme mit IS (Weitwinkel)isauskEs gibt (für Fotos) 4 Einstellungsmöglich keiten für den IS Modus: aus, Dauerbetrieb, nur Aufnahme und Schwenken. Außer dem erkennbar höheren Stromverbrauch spricht eigentlich alles für den Dauerbetrieb, dessen Wirkung man natürlich schon vor dem Auslösen spürbar auf dem Monitor erkennen kann.
„Nur Aufnahme“ spart Strom, da der Verwacklungsschutz erst ab dem Auslösen wirksam wird. Dass dieser Zeitraum etwas zu kurz ist, lässt sich an dem klar schlechteren Ergebnis erkennen. Den Sinn von „Schwenken“ habe ich in der Praxis (noch) nicht erkannt; er wird im Handbuch bei sich horizontal bewegten Objekten empfohlen.

Ich hätte mich eine weitere Möglichkeit gewünscht, bei der IS ab dem Zeitpunkt des Fokussierens, also bei leichtem Druck auf den Auslöser, wirksam wird. Meiner Ansicht nach wäre es auch ok, wenn „nur Aufnahme“ so funktionieren und dann sicherlich bessere Ergebnisse ohne nennenswerten Mehrverbrauch erzielen. So ist diese Einstellung im Ergebnis zwar besser als kein Stabilisator, aber der dauerhaften Einstellung klar erkennbar unterlegen.

Teleaufnahme mit ISNormalerweise kann man seine Hand und den Fotoapparat bestenfalls 1/30-1/60 Sekunde ruhig genug halten, um ein verwacklungsfreies Foto zu machen. Diese Werte gelten zumindest beim normalen Brennweiten und Weitwinkel (35-60/70mm). Bei größerem Zoom nimmt die Verwacklungsgefahr zu und eine Brennweite von 210mm verlangt üblicherweise nach 1/80 – 1/100 Sekunde, besser noch kürzeren Zeiten..
Durch den Bildstabilisator wird es nun möglich „normale“ Bilder ab 1/10s und gezoomte Bilder ab 1/15s – 1/20s zu schießen. Natürlich ist dies auch etwas vom Motiv und der Entfernung des Motivs abhängig.

Teleaufnahme ohne ISDie Automatikprogramme der Kamera gegen anscheinend grundsätzlich davon aus, dass 1/50s die menschliche Grenze zum verwacklungsfreien Knipsen ist. Leider berücksichtigen die Programme weder Zoom/Brennweite, noch den ggf. zugeschalteten IS Modus.
Erkennt die Automatik eine längere Zeit (z.B. 1/30s), wird der Blitz zugeschaltet, obwohl das bei IS Modus gar nicht nötig wäre. Hier muss der Fotograf unverständlicherweise manuell eingreifen. Zusätzlich ergeben sich dadurch weitere Nachteile bei der ISO Automatik, weil unnötig ein höherer ISO Wert eingestellt wird.

Wie schon zu beginn geschrieben, funktioniert der Verwacklungsschutz ganz ausgezeichnet und wertet die Kamera erheblich auf. Gerade bei der langen Ladezeit des ansonsten guten Blitzes, ist dies sehr erfreulich.
Gleichzeitig besteht auch bei 6fach Zoom und 210mm Brennweite meist keine Notwendigkeit mehr auf ein Stativ zurückgreifen zu müssen.

Die Bildqualität (Fotos)

MitteEcke

Rand

Die Farbwiedergabe erscheint mir sehr neutral und ausgewogen zu sein.
Dabei ist der automatische Weißabgleich in den meisten Fällen sehr zuverlässig.
Somit werden die vielen Farbeinstellungsmöglichkeiten und der manuelle Weißabgleich (bei mir) überwiegend unbenutzt brach liegen.

kleine Unschärfen bei max ZoomDie Schärfe entspricht meinem Geschmack: nicht zu scharf und nicht zu flau. Im äußersten Telebereich (siehe Bild rechts) scheint sie aber etwas nachzulassen.
Der Schärfeabfall zum Rand und vor allem in die Ecken ist erstaunlich gering und fällt kaum ins Gewicht Die 3 Ausschnitte oben zeigen von Links nach Rechts die Bildmitte, den Rand und eine Ecke. Die Helligkeitsunterschiede erklären sich aus der recht kurzen Entfernung zum Motiv und der Blitznutzung
Nutzt man die geringste Makroentfernung von nur 1cm, dann wölbt sich die Aufnahme systembedingt leicht tonnenförmig; die Bildqualität bleibt aber auch hierbei einwandfrei

Insgesamt also ein sehr erfreuliches Ergebnis, welches nur in seltenen Fällen eine Nachbearbeitung verlangt.

iso080ISO Empfindlichkeit / Rauschverhalten

Spätestens hier muss sich nun zeigen, inwieweit der kleinere CCD Sensor sich in Verbindung mit der hohen Auflösung negativ auswirkt.

Canon hat seine Hausaufgaben gemacht und holt aus dem kleinen 1/2,5“ CCD ein wirklich gutes Ergebnis heraus. Ein Rauschen ist bei ISO80 und 100 praktisch nicht erkennbar und auch bei ISO200 noch sehr gering. Selbst die 400er Empfindlichkeit ist mit Einschränkung noch nutzbar und nicht schlechter als bei den Modellen mit größerem Sensor. Dabei iso100arbeitet die Bildaufbereitung unauffällig, ohne Details erkennbar aus dem Bild zu entfernen.
Lediglich ISO 800 ist so stark verrauscht, dass es nur in Notfällen eingesetzt werden sollte.

Bei diesen Beispielen zeigt sich, wie wichtig vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen oder Innenaufnahmen die ISO Einstellung ist – hat sie doch erhebliche Konsequenzen auf das Rauschen und damit die gesamte Bildqualität.

Leider kann man die ISO Einstellung nur im Menü vornehmen. Dabei kann man eine „normale“ Automatik, eine „hi“ Automatik iso200und die festen Werte 80,100,200,400 und 800 vorwählen. Im Auto(matik)-Modus sind jedoch keine festen Werte möglich.
Da der ISO 400 Modus nur eingeschränkt und ISO 800 nur für Notfälle geeignet ist, wäre eine Automatik sinnvoll, die von 80-200 arbeitet oder bei der man den höchsten ISO Wert selber bestimmen könnte. Dieses ist aber leider beides nicht möglich. Die (Normale) Automatik wählt aber je nach Situation auch ISO 400 und 800 – ohne dass man dies jedoch erkennen kann.
So bleibt nichts anderes übrig, sich bei schlechten Lichtverhältnissen selber um den ISO Wert zu kümmern, das nicht der Automatik zu überlassen und manuell einzustellen.

iso400Die Hi-Automatik halte ich für völlig überflüssig, da hier eher hohe ISO Zahlen eingestellt werden und dadurch die Gefahr noch größer ist mit einem unerwünscht hohen Wert fotografieren müssen und verrauschte Ergebnisse zu erhalten.
Natürlich gibt es Situationen, bei denen z.B. das Blitzen verboten ist. Bevor man dann überhaupt kein Bild hat, nimmt man dann natürlich die schlechtere Qualität bewusst in Kauf. Aber auch hierzu reicht die „normale“ Automatik oder besser eine manuelle Einstellung völlig aus.

Leider berücksichtigen die ISO Automatiken nicht die eingeschaltete Bildstabilisierung. So wird auch bei aktivierter iso800Bildstabilisierung ggf. eine höhere Empfindlichkeit gewählt, um das Einschalten des Blitzes zu verhindern. Dabei wird für das Einschalten des Blitzes wiederum fälschlicher weise die 1/50 Sekunde zugrunde gelegt, obwohl mit IS doch auch z.B. 1/15 möglich wäre. Deshalb wäre eine Erhöhung des ISO Wertes vielleicht gar nicht nötig gewesen.

Anschlüsse / Speicherkarte

Wie von Canon gewohnt, wird auch die PS A710IS vom PC nicht als Massenspeicher, sondern als Kamera erkannt und als solche im Arbeitsplatz angezeigt. Ob das gut oder schlecht ist, ist sicherlich Geschmacksache. Bilderarchive kommen üblicherweise mit beiden Varianten problemlos zurecht.

Erfreulicherweise hat die Kamera einen Mini-USB-Anschluss. So kann man (statt des mitgelieferten Kabels) auch problemlos ein Standard Kabel verwenden. Die Übertragung der Bilder erfolgt dank USB 2.0 zügig.
Zusätzlich gibt es einen Anschluss für ein Netzteil und den üblichen TV Ausgang, den ich noch nie genutzt habe.

SDHC Karten können bis zu 16 GB genutzt werden, was ich natürlich nicht getestet habe, da es diese Karten noch nicht zu kaufen gibt. 8 GB Karten funktionieren problemlos und sind vor allem dann zu empfehlen, wenn man auch mal längere Videos machen möchte. Natürlich werden auch Standard SD Karten bis 4GB (getestet!) problemlos akzeptiert

Die A710IS als Videokamera

Wie alle aktuellen Canon Kameras mit Digic II Chip kann man auch mit diesem Modell Videos bis zu einer Länge von bis zu 1GB aufnehmen. Für die 4 möglichen Auflösungen resultieren daraus folgende maximalen Aufnahmezeiten:

640 * 480 mit 30 Bildern pro Sekunde – 15 Minuten, 51 Sekunden
640 * 480 mit 15 Bps – 31“ 12’
320 * 240 mit 30 Bps – 43“ 58’
320 * 240 mit 15 Bps – 80“ 37’

Die 2 weiteren Einstellungen sind eigenartiger Weise nicht über den gleichen Menüpunkt anzuwählen, sondern verstecken sich hinter der Einstellung „schnelle Bildfolge“ und „kleine Datei“. Erstere erlaubt z.B. bei „normaler“ Wiedergabe mit 30 Bps eine Art Zeitlupe. Letztere bedeutet keine erhöhte Kompression, sondern einfach nur eine noch kleinere Bildgröße:

160 * 80 mit 15 Bps – 193“ 30’ (wird zwar angezeigt. Max. ist 3 Min.)
320 * 200 mit 50 Bps – 22“ 29’ /wird zwar angezeigt. Max. ist 1 Min.)

Zusätzlich steht auch im Videobetrieb der Weißabgleich, der Selbstauslöser und die „My Colors Funktion“ zur Verfügung. Nach der Aufnahme steht diese Funktion im Gegensatz zu Fotos aber nicht mehr zur Auswahl.

Der Bildstabilisator kennt während des Videos nur die Einstellung „aus“ und „an“ und leistet auch hier hervorragende Arbeit. Sicherlich gibt es Aufnahmesituationen, bei der IS das Ergebnis auch verschlechtern kann. Ich habe beim Testen aber keine solche Gegebenheit gefunden.

Die Bildqualität ist auf sehr hohem Niveau. Der Ton kann da bei weitem nicht mithalten und ist bestenfalls als mittelmäßig zu bezeichnen. Wie bei Canon üblich werden die Videos (fast?) unkomprimiert im AVI Format gespeichert. Hier empfiehlt sich eine anschließende Bearbeitung und Kompression, z.B. mit dem kostenlosen Utility Virtual Dub.

Batterie / Akku

Akkus und Speicherkarte hinter der gleichen  BodenklappeDie Kamera kann wahlweise mit 2 Standard AA-Batterien (Mignon) oder Akkus betrieben werden. NiMh Akkus mit 2000 mA/h oder mehr sind empfehlenswert und halten eine mehr als ausreichende Laufzeit.
In meinem Test haben zwei Akkus insgesamt 3,5 Stunden gehalten (Pausen nicht mitgerechnet). Dabei war keine der eingebauten Stromsparfunktionen angeschaltet. Auch Display und Bildstabilisator waren permanent aktiviert. Insgesamt habe ich in diesem Zeitraum gut 300 Fotos gemacht – davon ungefähr die Hälfte mit Blitz. Zusätzlich habe ich mir die Bilder angesehen, die eingebaute Diashow genutzt oder mich durchs Menü geklickt.
Nach 2 Stunden habe ich dann zum Testen der Blitzleistung mit schlappen Akkus in 63 Sekunden noch 9 Fotos mit Blitz geschafft.

Es ist sicher davon auszugehen, dass diese Zeiten und Bilderzahlen in der Praxis überschritten werden könnten, wenn z.B. die automatische (Display)Abschaltung genutzt wird. Natürlich ist dies aber auch von der Temperatur abhängig. Bei kühlen Temperaturen sinkt die Leistung von Akkus nämlich teilweise deutlich.

Wie leider bei Canon üblich gibt es keine dauerhafte Akkuladeanzeige. Erst bei stark nachgelassenem Akku wird dies auf dem Bildschirm angezeigt. Dabei fällt es mir schwer genaue Aussagen über die Zuverlässigkeit dieser Anzeige zu machen.
So ging z.B. bei meinem 3,5 Stunden Test die Akkuwarnung schon nach 5 Minuten und gut 20 Bildern an. Unzuverlässiger geht es kaum.
Bei meinen anderen Tests ist dies aber kein weiteres Mal passiert. Der Zeitraum vom Erscheinen der Ladewarnung bis zum automatischen Abschalten (Meldung: Bitte Batterien wechseln), kann also recht unterschiedlich sein.

Grundsätzlich finde ich die Laufzeit nicht wirklich entscheidend. Man sollte sowieso immer min. 2 geladene Ersatzakkus dabei haben. Schließlich kosten diese Akkus beim Discounter unter 1 Euro das Stück.
Lediglich in manchen Situationen, in denen man unmöglich die Akkus wechseln kann, spielt die Laufzeit eine größere Rolle. Dies ist vor allem die Nutzung mit dem Unterwassergehäuse. Hier sollte die Kamera mindestens 60 Minuten durchhalten – bei Ausfahrten mit 2 Tauchgängen ist es natürlich angenehm, wenn man zwischen den Tauchgängen die Akkus nicht wechseln muss. Dazu sollten 120 Minuten Laufzeit möglich sein, was die A710IS auch problemlos zur Verfügung stellt.

Die Software

BroetchenWie bei Canon üblich wird die hauseigene Software mitgeliefert (Zoom Browser), die  sicherlich auch nicht schlecht ist. Allerdings existiert auf dem Markt in diesem Bereich ein so großes Angebot auch an Freeware, dass die meisten wohl die Programme weiternutzen, an die sie sich gewöhnt haben.
Wer allerdings den ISO Wert aus der Exif auslesen möchte, der ist auf die Canon Software angewiesen, da dieser Wert anscheinend von Canon nicht normgemäß gespeichert wird und somit in anderen Programmen nicht angezeigt wird.

Obwohl seit Jahren die Version 3.1 von Photo Stich mitgeliefert und anscheinend nicht weiterentwickelt wird, verdient dieses Programm doch eine kurze Erwähnung. Hiermit kann man unter Zuhilfenahme der Stich Funktion der Kamera recht einfach Panoramen erzeugen. Es gibt zwar im kommerziellen Bereich bessere Programme;  mit Freeware ist dies aber kaum möglich.

Das Zubehör

So praktisch die beigelegte Handschlaufe ist, so sinnlos hält Canon daran fest eine völlig unnutze 16 MB SD Karte in den Karton zu packen, passen doch bei maximaler Qualität je nach Motiv nur 3 Fotos drauf. Die mitgelieferten Batterien sollte man sich am besten für andere Zwecke oder Notfälle aufheben und möglichst schon vorher Akkus besorgen.

Dazu gibt es noch Kabel zum Anschluss an den PC und Fernseher. Die Kurzanleitung liegt in verschiedenen Sprachen bei. Weiteren Anleitungen zum Gerät und zur Software gibt es ausschließlich auf CD, können aber kostenpflichtig in gedruckter Form nachgeordert werden.

Das Fazit

OsnabrueckCanon beweist mit der Powershot A710IS, dass gute Bildqualität mit 7 MP und ein 1:2,5“ CCD Sensor keine Gegensätze sein müssen. Darüber hinaus bietet die Kamera einen ausgesprochen hohen Funktionsumfang, wie sonst oft nur Oberklassegeräte, ohne dabei kompliziert zu werden. Mit dem erstklassigen Bildstabilisator, der den guten 6fach Zoom noch besser nutzbar macht, ist der Apparat sehr flexibel einsetzbar. Das insgesamt noch recht kompakte Gehäuse und das verhältnismäßig geringe Gewicht machen die Kamera zu einem gern genutzten Begleiter, der auch alle Voraussetzungen für einen Schnappschuss mitbringt.

Bei der Umsetzung der IS Funktion bleiben zwar noch kleine Wünsche offen, diese Details und die wenigen kleineren Verbesserungsmöglichkeiten können den sehr guten Gesamteindruck nicht trüben. Zwischen 250 und 300 Euro ist für eine Kamera dieser Ausstattungs- und Leistungsklasse preiswert.
Einziger Wermutstropfen und Hauptnachteil ist die langsame Ladezeit des Blitzes, an die man sich aber durchaus gewöhnen kann.

Und hier noch ein paar Bilder in voller Auflösung, damit Ihr Euch direkt von der Qualität überzeugen könnt. Es handelt sich überwiegend um Bilder, die hier im Bericht nicht vorkommen. Ich habe Bilder gewählt, die ich nachträglich zum besseren Vergleich auch mit der Canon Powershot A630 gemacht habe und die in dem Bericht zu dieser Kamera ebenfalls heruntergeladen werden können. So könnt Ihr Euch auch eine Eigene Meinung zum Vergleich dieser Kameras machen. Da die Dateien bis zu 4 MB gross sind, solltet Ihr die nicht einfach anklicken, sondern mit der rechten Maustaste anwählen und dann “speichern unter” wählen.

Hof
Kirche
Sonnenuntergang
Windmühle
Gegenlicht
Puppen
Garten
Schloss
Windmühle2
 

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Hintergrundbilder über und unter Wasser hier downloaden!